Die amerikanische Menschenrechtsorganisation hat ihren neuen Report über die Philippinen heruasgegeben. Er ist hier einzusehen.
Dienstag, 21. April 2009
Bericht von Human Rights Watch
Die amerikanische Menschenrechtsorganisation hat ihren neuen Report über die Philippinen heruasgegeben. Er ist hier einzusehen.
Freitag, 17. Oktober 2008
The farmer`s struggle for land continues

Till now, October 2008, the politicians of the Philippines did not decide about the future of CARP. In the meanwhile, the farmers struggle for the land they till continues.
A position paper of the organization of the "Partnership for Agrarian Reform and Rural Development Services" (PARRDS).
In this paper, PARRDS condemns the "violent action of security guards" from the Department of Agrarian Reform (DAR) to five (5) farmerleaders last October 15, 2008 at the central office:
"Alexaner S. Hayohoy 41, Alexander M. Barroga 36, Rolando B. Flores 54, Wilfredo Beljot 55, and Ronilo B. Flores 52 are farmer-leaders of the Teves landholdings in Barangay Caranoche and Villareal, Bayawan city were trying to seek a dialogue with DAR Secretary Nasser Pangandaman when they were mauled and forcedly evicted from the 4th floor of the building.
We blame Secretary Pangandaman for reneging on his promise to install the beneficiaries on their land thus, resulting in the injury of five farmers when they went up to his office for a dialogue. Farmers felt the Secretary was negligent in his duty implementing CARP.
The farmer-leaders were representing some 30 other beneficiaries of the government’s Agrarian Reform program; they have already received their Certificates of Land Ownership Awards (CLOAs) way back in 1997 and 1999 effecting the redistribution of the 61 hectares of land belonging to former Congressman Herminio Teves, father of Finance Secretary Margarito Teves.
The CARP beneficiaries, was supposed to be installed on Saturday October 18, 2008. However, Sec. Pangandaman cancelled the plan after he had a talk with Mr. Herminio Teves the farmers claimed. Once again, the wishes of the landed power prevail.
Even the order of the Supreme Court, which had already rendered a decision way back in 2004 affirming the rights of the farmer beneficiaries to the land was ignored. When the farmer-leaders learned about the cancellation, they
decided to have a dialogue with Sec. Pangandaman to plead their case and get his comment, but upon arriving on the 4th floor where the secretary holds office, security guards started hitting them and dragging them down the stairs into the streets.
We must avoid situations like this if only DAR and other government agencies task to help the farmers do their job well. This incident foretells a dreadful future for the peasantry and the society. CARP’s funding through the Agrarian Reform Fund (ARF) still has two months to go and yet, reversals of decisions and revocations of CLOAs are the order of the day. Without CARP, worst could happen like back in the days of old, where feudal masters’ lord it over the peasantry. Only this time, they are in the guise as corporations.
We urge Secretary Pangandaman, immediately install the farmers concerned to the Teves land. He must implement the full force of the law as his primary duty without bowing to the wishes of the rich and powerful.
We ask Mr. Herminio Teves to let go of the land and not hang to its feudal past, it will be more productive in the hands of the farmers and will help them get out of poverty and the dire situation they are now. To Congress we demand, extend and reform CARP and be instrument of hope to thousands of still landless farmers. Please fulfill their desire of owning the land they till."
Montag, 16. Juni 2008
San Andres II
Ein ganzes Dorf zieht um: Wer von dem am Meer gelegenen Provinzstädtchen San Andres etwa acht Kilometer in die Berge fährt, kommt in das Sitio Banaba, Barangay Pansoy. In dieser Gegend zog im Oktober 2007 ein ganzes Dorf um: Der Landlord Alfredo Tan zeigte die Dorfbewohner an, weil sie angeblich auf seinem Privatland lebten, ohne dafür Miete zu bezahlen. Die Bauern sind knapp drei Kilometer weiter in die Berge gezogen, weil sie sich nicht auf einen kostspieligen Rechtsstreit hatten einlassen wollen.

Fragwürdige Umsetzung von CARP: Ein paar hundert Meter hinter dem Dorf Banaba, Barangay Pansoy, zeigt der Farmer Carlito Ruga den IPON-Observern das Land: ein weites, fruchtbares Tal, dahinter steinige Hügel, auf denen kaum etwas wächst. Nach dem CARP-Gesetz darf nur landwirtschaftlich nutzbares Land an die Bauern verteilt werden. „In diesem Tal war es anders“, sagt Bauer Carlito Ruga, legt seine Stirn in Falten und schaut gegen die Sonne auf die Berge.
„Die kargen Hügel wurden an die Bauern verteilt. Das fruchtbare Tal gehört weiter dem Landherren Tan. Weder MARO noch PARO (beide zuständig für die Agrarreform CARP) hätten sich blicken lassen. Dennoch hätten sie nach den Wünschen des Landbesitzers entschieden. Jetzt haben die Bauern einen Antrag gestellt, damit das Land noch einmal besichtigt wird.
Im Gefängnis: “Legal harassment” nennen die Bauern die Kriminalisierung politischer Aktivitäten rund um die Landreform CARP: wenn die Männer wegen ihrer Arbeit für die Bauernorganisationen oder einfach wegen ihres Antrags auf Land von den großen Landbesitzern mit Prozessen überzogen werden.Am Morgen des 6. Juni wurde der Bauernführer Bievinido (Benito) Mahilom bei seiner Rückkehr von einer Demonstation in Manila verhaftet: Er soll wie so viele andere Bauern Kokosnüsse vom Land des Grundherrn gestohlen haben. Benito ist angeklagt in 20 Fällen des “qualified theft”, des erschwerten Diebstahls.
Wegen der jüngsten neun Fälle vom 25. März 2008 sitzt Benito nun in der einzigen Zelle der Polizeistation von San Andres. Die Kaution für seine Freilassung beträgt 30.000 Peso pro Fall – insgesamt 270.000 Peso (4.5000 Euro). Benitos Rechtsanwalt verhandelt um eine Reduzierung der Kaution und will anschließend einen Antrag beim “Agrarian Justice Fund” stellen, damit diese Stelle die Kosten für Benitos Freilassung übernimmt.
Benito hat Kokosnüsse geerntet, ohne dem Landherren Victor Reyes etwas davon abzugeben: Denn er ist der Ansicht, das Land gehöre ihm. 2007 hat Benito vom Department of Agrarian Refom (DAR) die Mitteilung bekommen, dass sein Landantrag zu seinen Gunsten entschieden sei. Allerdings hat Benito bis heute keine Landbesitzurkunde bekommen.
Benito ist nicht der einzige Bauer, der in Verbindung mit der Landreform CARP im Gefängnis sitzt: Gegen etwa 50 weitere Bauern rund um San Andres werde ebenfalls wegen Kokosnussdiebstahls oder “trespassing” - illegalen Betretens von Privateigentum, ermittelt. Rund 30 seien bereits einmal im Gefängnis gesessen. Die Frauen wissen in solchen Fällen oft nicht, wie sie ihre vielen Kinder ernähren sollen.
Schwierigkeiten bei der Landverteilung: Von San Andres aus in Richtung Meer: Der Weg durch die Kokosnusshaine wird immer schmaler und ist zuletzt nur noch für Pferde, Carabaos und Fußgänger passierbar. Die Luft riecht nach Salz, und ein angenehmer Wind macht die Juni-Hitze erträglich. In dieser Gegend um das sitio Recodo, Barangay Talisay, können sich die Menschen glücklich schätzen: Sie haben neben den Kokosnüssen zum Überleben auch den Fischfang – und keine bewaffneten Goons der Landlords treiben sich nachts um die Hütten herum.
Bereits 1998 haben die Bauern im Rahmen des CARP ihre Petition um eine verbesserte Aufteilung der Erntegewinne zwischen Landbesitzer und Farmer eingereicht.
Seit 2000 sind die Bauern sogenannte listholder: Die Aufteilung des Erntegewinns (sharing system) ist seitdem 75:25 zu Gunsten der Bauern.
2002 haben die Bauern von Talisay ihren Antrag auf CARP-Land gestellt.
Im Gebiet um Talisay herrschen zwei kleinere Großgrundbesitzerfamilien, denen zusammen rund 299 Hektar Kokosnusswälder gehören: die Familie Estrada und die Familie Quizon.
Während die Quizons mittels Anzeigen versuchen, die Antrag stellenden Bauern zu drangsalieren, sind die Estradas bereit, einen Teil ihres Landes für CARP freizugeben.
Die Sache schaute also gut aus für die Bauern um Talisay.
Wären da nicht die Probleme mit den Landbesitzurkunden: Acht verschiedene Landtitel gibt es für das Land, das im Rahmen von CARP verteilt werden soll.
Die acht Landtitel verteilen sich auf insgesamt 24 Landbesitzer und Ko-Landbesitzer aus den Familien Estrada und Quizon.

So ist das Department of Argrarian Reform (DAR) schon seit geraumer Zeit dabei, Licht ins Dunkel der komplizierten Besitzverhältnisse zu bringen, bevor das Land endgültig verteilt werden kann.
Mittwoch, 11. Juni 2008
Wenig Hoffnung auf CARP-Verlängerung
Während die Bauern von Bondoc am 10. Juni in der Stadt Sariaja im Norden von Lucon für eine Verlängerung der Landreform demonstrierten, lief am selben Tag das 20 Jahre alte Landreformgesetz (CARP) aus, und in Manila traf sich zu einer vorgezogenen und geschlossenen Sitzung das Repräsentantenhaus. Am Ende des Tages stand fest: Es gibt vorerst kaum Hoffnung auf die Verlängerung von CARP.
Geeinigt haben sich die Politiker auf eine Resolution, die dem Department for Agrarian Reform (DAR) erlaubt, mit dem Budget für 2008 bis Ende des Jahres weiterzuarbeiten. Bis dahin wird in weiteren Sitzungen noch heftig um die Zukunft der Landreform gestritten werden.

In dem gegenüber der Landreform mehrheitlich kritisch eigestellten Senat forderten Politiker Nachweise über die Verwendung des bisherigen CARP-Budgets.
Agrarreform-Sekretär Nasser Pangandaman wurde eine Frist bis 15 Uhr des 10. Juni eingeräumt, um nachzuweisen, wofür das Geld verwendet wurde. Obwohl die Unterlagen von Agrarreform-Sekretär Nasser Pangandaman erst noch im Detail geprüft werden, hielten CARP-Gegner wie die Senatoren Juan Ponce Enrile, Rodolfo Biazon und Joker Arroyo die Unterlagen von Nasser Pangandaman für unzureichend.
Das vorläufige Scheitern der CARP-Verlängerung wird als persönliche Niederlage von Repräsentantenhaus-Sprecher und Mehrheitsführer Prospero Nograles angesehen: Nograles hatte sich in der vergangenen Zeit vehement für die CARP-Verlängerung stark gemacht und eine positive Entscheidung noch vor den Kongressferien Mitte Juni in Aussicht gestellt.
An diesem denkwürdigen 10. Juni demonstrierten außer in Sariaja an weiteren Orten philippinische Farmer für eine Verlängerung von CARP mit Reformen. Geistliche der katholischen Kirche riefen in Luzon zu Gebeten für die Weiterführung der Landreform auf.
Die Bauern von Bondoc waren für diesen 10. Juni weit gereist: Sie hatten ihre Dörfer in den Bergen verlassen, waren weite Strecken zu Fuß gelaufen, hatten stundenlang im Bus gesessen und bei 35 Grad Celsius und auf holprigen Straßen die Halbinsel Bondoc bis nach Sariaja durchquert.
Freitag, 6. Juni 2008
Bauern demonstrieren für CARP
Nicht eben viele Politiker waren erschienen, als am 4. Juni das philippinische Repräsentantenhaus in Manila über einen Entwurf zur Verlängerung des Landreformgesetzes abstimmen sollte.
Dafür war das Auditorium umso voller: Farmer aus allen wichtigen Agrarregionen waren gekommen, um bei diesem für sie wichtigen Moment dabei zu sein.
Die Sitzung endete mit einer Enttäuschung für die Farmer: Nach Stunden des Wartens und weiteren Stunden der Debatte vertagten die Politiker die Entscheidung.
Frustrierte Farmer belagerten das Gebäude und forderten ein Gespräch mit Reporäsentantenhaus-Sprecher Prospero Nograles. Der versprach eine Entscheidung binnen einer Woche.
Der Gesetzesentwurf „House bill 4077“ sieht eine Verlängerung von CARP um weitere fünf Jahre vor und stellt ein Budget von 100 Milliarden v Pesos (60 Pesos = 1 Euro) zur Verfügung. Um die Verlängerung des mittlerweile 20 Jahre alten Landreformgesetzes wird in den Philippinen heftig gestritten: CARP-Befürworter befürchten, dass es mit dem Auslaufen der Landreform für Tausende von Farmern keine Möglichkeit mehr gibt, legal an Land zu kommen.
CARP-Gegner plädieren für die „genuine agrarreform“: Bei dieser wird das Land an die Farmer vergeben, ohne dass diese etwas dafür bezahlen müssen. Eine solche Forderung sei utopisch, halten die CARP-Befürworter dagegen: Schon jetzt suchten die großen Landlords nach allen Möglichkeiten, um die Verteilung von Land zu verhindert.
Allerdings sind auch die CARP-Befürworter für umfangreiche Reformen, da das bisherige Gesetz zu viele Schlupflöcher für die Landlords biete und den Farmern keine ausreichende Unterstützung nach der Landverteilung biete.
Die Farmer aus Bondoc waren bereits zwei Tage vor der Sitzung nach Manila gereist und hatten mit ihren Kollegen aus den anderen Regionen eine Zeltstadt um das Department for Agrarian Reform (DAR) gebaut.
Die Landreform CARP läuft am 10. Juni offiziell aus. Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo hat dem neuen Gesetz die höchste Dringlichkeitsstufe eingeräumt. Insgesamt sind 1,1 Millionen Hektar CARP-Land noch nicht an die Bauern verteilt. Nograles, der sich für eine Verlängerung des CARP-Gesetzes stark macht, will als Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus den Entwurf noch vor Beginn der Parlamentsferien Mitte Juni durchbringen.
Mittwoch, 28. Mai 2008
Was sonst noch im Mai geschah

Bauern werden demonstrieren
Am 5. Mai veranstaltete die Bauernorganisation KMBP (Kilusang Magbubukid ng Bondoc Peninsula) in Mulanay ihr monatliches Treffen. Schwerpunkt war die Verlängerung der Landreform CARP: Der Juni wird ein spannender Monat für die philippinischen Bauern, und in den kommenden Wochen werden sie viel demonstrieren. Denn am 15. Juni läuft das Landreformprogramm CARP nach 20 Jahren offiziell aus. Am 13. Juni wird der Kongress in Manila entscheiden, ob CARP nochmals verlängert wird. Bereits im April brachte das house committee on agrarian reform einen Gesetzesentwurf ein, der eine Verlängerung um weitere fünf Jahre vorsieht. Der neue Gesetzesentwurf sieht unter anderem ein neues Monitoring- und Berichtserstattungprogramm vor, sowie mehr Unterstützung für jene Bauern, die mit Hilfe von CARP eigenes Land bekommen haben. Bei einer Verlängerung von CARP will sich der Kongress in einer weiteren Sitzung mit der Reform des CARP-Gesetzes befassen.
Dialog mit Botschaften
Einen Dialog mit Botschafts-Vertretern organisierte die Organisation QUARDDS (Quezon Association for Rural Development and Democratisation Services). Am 26. Mai war das erste Treffen in der Stadt Lucena. Zu dem Treffen waren erschienen Vertreter aus Großbritanien und United Kingdom, Deutschland, Holland und Canada.
Bei der Veranstaltung erzählten die Hinterbliebenen von Ermordeten ihre Geschichten.

Danilo Caranza und Danilo Bernal erläuterten die politische Situation auf Bondoc aus der Sicht von philippinischen NGOs, die die Bauern unterstützen. Ihr Fazit: "Die Menschenrechtsverletzungen auf Bondoc stehen in direktem Zusammenhang mit der Umsetzung der Landreform." Im Streit um Land seien die Bauern die Verletzlichen: Von Seiten der NPA würden sie als Counterrevolutionäre bedroht und verfolgt, von Seiten der Grundbesitzer kriminalisiert - mit Anzeigen wegen Kokosnussdiebstahls und Betretens von Privateigentum. Aufgrund der Anzeigen der Landlords seien seit 1996 über 300 Bauern von Bondoc im Gefängnis gelandet.
Trotz aller Widerstände gebe es Hoffnung, sagte Danilo Caranza: Bis 2007 seien allein an die Bauern der Organisation KMBP mehr als 10.000 Hektar Land verteilt worden, das zuvor im Besitz eines der großen Landlords gewesen sei. Darüber hinaus verfügten die Bauern jetzt über 4.000 Hektar staatliches Land.
Gerichtsverhandlung in Gumaca: 68 Leute aus dem Dorf Nilangtangan hatten eine Gerichtsverhandlung vor dem Regionalgericht in Gumaca. Laut Anklage haben sie insgesamt 2.500 Kokosnüsse gestohlen.

Die Bauern warten auf ihre Verhandlung.
Angeklagt sind auch der Provincial Agrarian Officer (MARO) und der Municipal Agrarian Officer (PARO), die offiziellen Vertreter des Landreform-Ministeriums: Am 25. April 2005 sollen MARO und PARO zusammen mit den 68 Bewohnern aus Nilangtangan dabei beobachtet worden sein, wie sie auf dem Land des Grundbesitzers Matias Kokosnüsse geerntet und diese auf einen von Wasserbüffeln (Carabaos) gezogenen Karren geladen haben. Bei der Gerichtsverhandlung am 27. Mai bekräftigte ein Zeuge der Anklage diese Vorwürfe.
MARO und PARO sind zuständig für die Landbesichtigungen, die einer Landverteilung vorangehen. Nach ihrem Urteil wird entschieden, ob ein Stück Land aus dem CARP ausgeschlossen oder an die Bauern verteilt wird. Sind MARO und PARO zu bauernfreundlich, bekommen sie die Quittung in Form einer Anzeige, sagen die Bauern.
Die Verhandlung war bereits der vierte Termin, zu dem die Bauern in der Provinzhauptstadt im äußersten Norden von Bondoc erscheinen mussten. Wegen der schlechten Straßen brauchen sie etwa zehn Stunden für die Anreise. Der nächste Termin ist für den 1. Juli angesetzt. Falls zu diesem Zeitpunkt bereits die Regenzeit begonnen hat und das Meer zu stürmisch für die kleinen Fischerboote ist, müssen die Bauern den Landweg wählen. Da der einzige Landweg aus dem Dorf durch das Land des Matias führt, könnte er die Bauern an jenem 1. Juli wegen Trespassing - Betreten von Privateigentum - anzeigen.
Die Bauern von Nilangtangan haben ihrerseits diverse Anklagen gegen den Landlord erhoben - unter anderem wegen Bedrohung. Die Anklagen der Bauern liegen auch nach zwei Jahren beim Staatsanwalt in der Provinzhauptstadt in Lucena. Laut Bauern ist der Staatsanwalt von Lucena ein Verwandter des Matias.
Richter Hector Almeda, der den Fall am Gericht in Gumaca bearbeitet und nach Ansicht der Bauern "neutral" ist, sagte zu dem Verfahren: "This is an abnormal case." Am 1. Juli werden die ersten Zeugen der Verteidigung gehört.
Feiern vor der Regenzeit: Vor Beginn der Regenzeit gibt es überall in den Philippinen Erntefeste und Dorffeste zu Ehren der örtlichen Heiligen. Auch die Provinzhauptstadt Lucena hat gefeiert. Die chinesische Minderheit von Lucena nahm dies zum Anlass, mit einem Drachentanz und Demonstrationszug ihre Solidarität mit China und den Olympischen Spielen in China auszudrücken.
Sonntag, 18. Mai 2008
San Andres
Das Dorf Bungag, Barangay Mangero, Gemeinde San Andres: Drei chinesisch-stämmige Landlords haben den Südosten Bondocs unter sich. Es gibt keine maoistische Armee NPA wie in San Narciso, und keine Kämpfe zwischen Guerilla und Militär. Auch die Verhältnisse sind klarer als in San Narciso: Die Menschen sind entweder Goons im Dienste eines Landlords - oder Bauern, die sich durch das CARP-Programm (Comprehensive Agrarian Reform Program) ein Stück eigenes Land versprechen. Aber gerade die Landreform, die soviel Hoffnung für die Zukunft verspricht, sorgt auch für Probleme in Bungag.
Mangroven am Ufer und Kühe auf den Feldern: Das sitio Bungag liegt direkt am Meer. Bei Ebbe sammeln die Kinder Muscheln und Krebse zwischen Mangroven, und das Wasser ist voll mit Fischen. Trotzdem ernähren sich die Bewohner von Bungag lieber von der Erde: Von knapp 300 Bewohnern fahren nur zehn Männer mit fünf kleinen Fischerbooten aufs Meer. Die anderen sind Kokosbauern. Sie verbessern ihr Einkommen als Tagelöhner und bekommen dafür 150 Pesos pro Tag (60 Peso = 1 Euro). Sie pflanzen für ihre Familien Mais und Getreide auf ein paar Feldern, auf die der Landlord immer wieder seine Kühe treibt.
Das Sitio Bungag ist das Gebiet des Landlords Sopio Aberia: 510 Hektar besitzt seine Firma "Realty Development Corporation“. 240 Hektar sollten ursprünglich mit Hilfe von CARP an die Bauern verteilt werden.
2004 haben die Bauern von Bungag beim Central Department in Manila ihre CARP-Anträge gestellt. Seitdem haben sie nichts mehr davon gehört: Es gab keine Landvermessung und keinen Bescheid – nicht einmal eine vorläufige Mitteilung.
Bauernversammlung in Bungag
Im Juli sollen die Menschenrechtsbeobachter von IPON ins Dorf kommen, wünschen sich die Bauern von Bungag: Bis Juli habe ihnen der Landlord Zeit gegeben, das Dorf zu verlassen. Wer bis dahin nicht abhaut, kann zusehen, wie Goons seine Hütte zerstören. Die Bauern haben nichts der Polizei gesagt: Sie vermuten, die Polizisten stehen auf der Lohnliste des Landlords. Eine Anzeige sei sinnlos, wenn es gegen den Landlord gehe.
Körperpflege und Wäsche waschen im Fluss: auf dem Weg nach Bungag.
Der Mörder Andy Pideda sei inzwischen ebenfalls getötet: Andy habe auch einen gewissen Julieto Roca umbringen wollen. Dieser sei Andy zuvor gekommen und habe ihn am 10. Januar 2007 mit einem Bolo-Buschmesser erstochen. Wo Julieto Roca, der mutmaßliche Mörder des Mörders ist, weiß niemand: Die Ehefrau des Opfers hat ihn bei der Polizei angezeigt - darum versteckt er sich jetzt. Keiner im Dorf weiß, warum der zweite Mord geschah. Aber die Bauern sagen: Die Beiden hatten Streit wegen eines Stücks Land.
Dienstag, 13. Mai 2008
Nilangtangan
Beim Bingo-Spiel
Dunkle Wolken über dem Horizont verheißen nichts Gutes: Bald ist Regenzeit. Bald tobt draußen auf dem Meer der Sturm, und die Fischerboote laufen nicht mehr aus. Bald verlieren die Bauern von Nilangtangan das letzte, was ihnen der Landlord Matias gelassen hat: den Fang aus dem Meer.
Anfang Juli bis Ende August ist Regenzeit in den Philippinen. Dann schließen viele Bewohner von Nilangtangan ihre Hütten und gehen nach Manila: Mit viel Glück finden sie dort Arbeit.
„Displaced People“ nennen sich die Menschen von Nilangtangan selbst. Denn im Unterschied zu vielen anderen Kokosnussbauern auf Bondoc können die Leute von Nilangtangan nicht mehr auf ihre Felder: 2005 hat Landbesitzer Matias das ganze Dorf mit Stacheldraht einzäunen lassen.
Wer von der Landseite her ins Dorf will, muss zuerst die Kokosnussplantage durchqueren, die Matias als die Seine beansprucht. „Privateigentum. Betreten verboten“ steht auf dem Tor, hinter dem sich ein ausgetretener Pfad durch Kokospalmen, vorbei an Tümpel für die Wasserbüffel „Carabao“ schlängelt. Vorbei auch an den Hütten der Goons, mal Farmer, mal Schlätertruppen - aber immer im Dienste des Landlords.
Der Eingang zum Dorf ist ein Loch im Zaun des Matias – ein Stück niedergetretener Stacheldraht. Wer in das Dorf will, muss sich bücken und unter dem Zaun hindurch schlüpfen. Das Loch haben die Bewohner von Nilangtangan in den Zaun gerissen. Nun gehen sie trotzig den verbotenen Weg des Matias: die Schulkinder zweimal am Tag, die Erwachsenen, wenn das Meer so aufgewühlt ist, dass die Fischer sich nicht mehr mit ihren Booten hinaustrauen. Ursprünglich trennte der Zaun die Bewohner auch vom Meer: Solange, bis die Menschen von Nilangtangan sich trauten und gemeinsam den Zaun an ihrem Strand entfernt haben.
Das Provinzgericht in San Francisco/Aurora
Die Bauern zahlen einen hohen Preis: Denn es hagelt Anzeigen von Seiten des Landlords. „Legal harassments“ nennen die Bauern diese Art von Schikane: Wenn sie eine Anzeige erhalten, müssen die Bauern mit dem Boot zum Provinzgericht ins eine Stunde entfernte San Franciso/Aurora. Manchmal warten sie dort Stunden, bis sie erfahren, dass das Hearing wieder einmal verschoben wurde. Mit Glück bekommen sie dann das einzige Boot am Nachmittag, das sie wieder zurück bringt nach Nilangtangan.
Acht Anzeigen hat der Farmer und Kagawat (Mitglied im Regionalparlament) Roland Zaňo erhalten. Die meisten Anzeigen lauten auf Betretens privaten Eigentums. Ein paar andere auf qualifizierten Diebstahl: Roland soll dem Landherrn Matias Kokosmüsse gestohlen haben. In den Philippinen steht das Wort “qualifizierter Diebstahl” für ein Vergehen der besonders schweren Art. Kokosnussdiebstahl ist immer eine “qualifiziert” Tat und damit besonders schwerwiegend. Des Kokosnussdiebstahls werden auch Bauern bezichtigt, die sich weigern, die Pacht von 60 Prozent der Ernte an den Landherrn abzugeben – auch dann, wenn klar ist, dass das Land nicht dem Landherrn gehört. Was die Bauern so aufbringt, ist die Tatsache, dass Polizei und Gerichte sofort aktiv werden, wenn der Landlord einen Farmer anzeigt. Wenn umgekehrt ein Bauer von einem Goon bedroht wurde, lassen sie sich meist Zeit.
Am 13. Mai 2008 fuhr das IPON-Team mit Roland Zaňo und weiteren angeklagten Bauern zum Provinzgericht nach San Francisco/Aurora in Bondoc. Angeklagt wegen Betretens fremden Eigentums war auch der MARO, der städtische Beamte, der im Rahmen des Landreformprogramm CARP ein von Matias beanspruchten Stück Land vermessen hat. Um 9.30 morgens war die Anhörung angesetzt. Um 11 Uhr erfuhren die Leute aus Nilangtangan, dass das Hearing auf 3. Juni verschoben sei. Eigentlich sollte die Anhörung bereits am 17. April sein. Aber auch an diesem Tag waren die Angeklagten umsonst angereist. Bei einer solchen Anzeige riskieren die Bauern Gefängnis - außer sie bezahlen eine für sie unverhältnismäßig hohe Kaution.
Das "Magic Window" im Dorf Nilangtangan: Roland Zanos Fenster ist der einzige Ort, an dem es ein Netz fürs Handy gibt.
Fischerboote am Strand von Nilangtangan.
Die abgehackte Hand: Am 6. Februar 2007 hat ein Goon dem Bauern Heliolito Abrenica (genannt Joly) aus Nilangtangan mit einem Bolo-Buschmesser die linke Hand abgehackt (siehe 2nd Human Rights Report, IPON). Zunächst wurde der Goon des Matias nicht verhaftet. Erst seitdem ein neuer Bürgermeister im Amt ist, sitzt auch der mutmaßliche Täter hinter Schloss und Riegel. Der neue Bürgermeister gilt - im Gegensatz zu seinem Vorgänger - als Freund der Bauern. Die Bauern vermuten, dass der frühere Bürgermeister den mutmaßlichen Täter geschützt hat. Nachdem er diesen Schutz verloren habe, sei er verhaftet worden. Die Kaution für die Freilassung beträgt 800.000 Pesos (60 Pesos = 1 Euro). Offensichtlich ist Landlord Matias nicht willens, diese Kaution zu bezahlen.
Allerdings ist der Täter seit seiner Verhaftung vor drei Monaten noch immer im städtischen Gefängnis von San Francisco/Aurora - statt wie bei Kapitaldelikten vorgesehen, im weitaus sichereren Provinsgefängnis in Lucena. Das IPON-Team begleitete die Bauern von Nilangtangan zur Polizei, wo sie nachfragten, warum der Verhaftete nicht ins andere Gefängnis überführt worden sei. Die Antwort lautete: Es habe kein geeignetes Fahrzeug zur Verfügung gestanden. Aber voraussichtlich noch im Mai werde der mutmaßliche Täter nach Lucena gebracht.









